Der Ort
Das Wettbewerbsgelände der Berlin Brandenburg International School liegt isoliert im Wald auf dem Seeberg in Kleinmachnow und ist geprägt durch die denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Forschungsanstalt der Reichspost. Sechs Institutsbauten sind fächerförmig vom höchsten Punkt des Hügels angeordnet. Trotz Sanierungen und Ergänzungen bleibt das Areal durch Sicherheitsvorkehrungen nach außen hin abgeschirmt. Diese gewünschte Abgeschlossenheit steht im Konflikt mit dem Wunsch der Gemeinde nach mehr Offenheit. Die Vermittlung zwischen Sicherheitsbedürfnis und öffentlicher Zugänglichkeit bildet die Grundlage des Entwurfs.
Das Konzept
Ziel ist die behutsame Öffnung des Campus und seine Integration in die städtebauliche Struktur Kleinmachnows, ohne den architektonischen Charakter zu verlieren. Öffentliche und schulische Nutzungen werden bewusst verzahnt. Sporthallen, Theater und Schwimmhalle liegen außerhalb des gesicherten Schulbereichs und bilden einen neuen öffentlichen „Shared Space“ auf dem Seeberg. Drei markante Neubauten setzen hierzu städtebauliche Akzente.
Durch die Ausrichtung zum Adolf‑Grimme‑Ring, Rathaus und Seebergschule erhält die BBIS ein neues, selbstbewusstes Gesicht. Der bisherige „Zitadellen‑Charakter“ wird aufgebrochen und die Trennlinie zwischen Stadt und Campus aufgehoben.
Östlich schließt sich ein halböffentlicher Internats‑Campus an. Drei freistehende Wohnkubaturen schaffen hochwertigen Wohnraum im Wald mit direkter Anbindung an Ort und Öffentlichkeit.
Das denkmalgeschützte Heizhaus wird zur Verwaltung umgebaut. Neue Öffnungen sichern Belichtung, Dachaufbauten ergänzen Büroflächen, Lehrerwohnungen und einen öffentlichkeitswirksamen Empfangspavillon.
Die Neubauten Haus 4 und Haus 7 führen die prägnante städtebauliche Figur fort. Abmessungen entsprechen dem Bestand, Konstruktion und Fassade sind zeitgemäß monolithisch ausgeführt und erlauben flexible pädagogische Nutzung.
Der Verkehr
Das Verkehrskonzept optimiert Personen‑, Liefer‑ und Busverkehr unter Einbeziehung des Umfelds. Eine temporäre Einbahnregelung am Adolf‑Grimme‑Ring entzerrt Schul‑ und Stadtverkehr. Bus‑ und Lieferverkehre erfolgen ausschließlich über die Planstraße B. Diese dient als Erschließung für Feuerwehr, Logistik, Fahrräder und Müll.
Der Haupteingang bleibt an der Schopfheimer Allee, ergänzt durch ein neues Pförtnerhaus und einen großzügigen Drop‑off‑Bereich. Zwei in den Hang integrierte Parkdecks sind natürlich belichtet und belüftet. Eine zentrale, gut einsehbare Achse mit Treppe und Rampe bündelt die Schüler‑ und Besucherströme. Angegliederte Retentionsbeete sind Teil des nachhaltigen Regenwassermanagements.
Die Freiräume
Die Freiräume verbinden historische Prägung mit zeitgemäßer Nutzung. Die Topografie des Seebergs wird mit Terrassen, Höfen und Senken räumlich erlebbar gemacht. Klare Wegeführungen, organische Grünräume, flexible Sitz‑ und Spielangebote sowie offene Lernorte fördern Begegnung, Teilhabe und Dialog.
Ein hoher Anteil unbefestigter Flächen, Wildwiesen, Gehölze und Baumrigolen stärken Biodiversität und Mikroklima. Regenwasser wird oberirdisch zurückgehalten, versickert oder in Zisternen genutzt.
Die ehemaligen Verkehrsflächen werden zu autoarmen Begegnungsräumen umgestaltet. Thematische Höfe – u. a. Wasser‑, Technik‑, Natur‑, Feuer‑ und Gartenhof – dienen als Spiel‑, Lern‑ und Erfahrungsräume für alle Altersstufen. Auch die Freiräume des Internats sind behutsam in den Wald eingebettet und fördern Gemeinschaft und Rückzug gleichermaßen.
Energiekonzept – Ideenteil
Für die langfristige Energieversorgung wird im Heizhaus ein Eisspeichersystem vorgeschlagen. Ein unterirdischer Wasserbehälter dient als saisonaler Energiespeicher in Kombination mit einer Sole‑Wasser‑Wärmepumpe. Die beim Gefrieren und Auftauen freiwerdende Energie wird im Winter zum Heizen und im Sommer zur Kühlung genutzt. Zusätzlich ermöglicht das System Abwärme‑, Luftwärme‑ und Geothermienutzung und unterstützt einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Campusbetrieb.
Team: Paul Gössler, Julia Barthel, Sabrina Hauck, Leonhard Ruchholz, Marco Schneider, Luca von der Hayde, Alexa Winderling
In Zusammenarbeit mit Locodrom Landschaftsarchitekten GbR, Berlin.
Visualisierung: Anders Beyer





