2021 Busanlage Harburg

Busanlage Harburg

2. Preis

Die Busanlage Harburg liegt exponiert am Knotenpunkt Buxtehuder Straße, Moorstraße, Hannoversche Straße, Walter Dudek Brücke und grenzt an die Harburger Innenstadt, das Phoenix Center als auch den Bahnhof Harburg mit seinem Vorplatz. Funktional ist die Busanlage an die Verkehrsträger Regional-, Fern- und S-Bahn der Deutschen Bahn ebenerdig und über Unterführungen angebunden. Ebenso ist nördlich der Busplatte ein Fahrradparkhaus in Planung. Räumlich als auch funktional ist die Busanlage somit ein wichtiges und täglich hochfrequentiertes Eingangstor in die Harburger Innenstadt.

Städtebauliche Situation

Im Zuge des Rahmenplans Innenstadt Harburg 2040 gewinnt die Busanlage Harburg zusätzlich an Bedeutung. Durch die geplante Aufwertung des Bahnhofs samt Vorplatz und die geplante funktionale Verbesserung der Anschlussmobilität durch kurze Wege zu Bus, ZOB, S-Bahn als auch zum Seeveplatz wird die Busanlage in Bedeutung und Frequenz weiter gestärkt. Durch ihre stadträumliche Lage, die unterschiedlichen Zugänglichkeiten auf ebenerdigen und unterirdischen Niveau und durch die hohe verkehrliche Vernetzung muss die Busanlage alle vier Himmelsrichtungen adressieren. Hierbei sind jedoch die Adressierungen nach Norden und nach Süden besonders hervorzuheben auf Grund der im Rahmenplan Innenstadt Harburg 2040 geplanten Aufwertung der Achse Bahnhof/Bahnhofsvorplatz, Busanlage, Fahrradparkhaus und Übergang zur Innenstadt. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, legt der Entwurf großen Wert auf eine maximale Durchlässigkeit und gute Sichtverbindungen besonders in Nord-Süd-Richtung. Die Dachkonstruktion über der Busplatte lagert auf nur vier Punkten auf, um ebendiese Durchlässigkeit zu ermöglichen. Die bestehende bauliche Anlage mittig der Busplatte wird zusätzlich rückgebaut. Die Höhe der Dächer nimmt Bezug zu den Traufhöhen des Bahnhofgebäudes. Die weitspannenden Fachwerkträger der Dachkonstruktionen bilden klare städtische Kanten zu allen vier Seiten. Die Höhe der Fachwerkträger nimmt Bezug zur Firsthöhe des Bahnhofsgebäudes. Die Dachkonstruktion oberhalb des Mittelsteiges nimmt sich gegenüber der Überdachung oberhalb der Busplatte zurück, um die Blickachse Bahnhof – Innenstadt Harburg freizuhalten. Funktionale Überdachung der Bussteige Ausbildung klarer städtischer Kanten So entstehen in diesem städtischen Kontext nicht nur funktionale Überdachungen mit dem Ziel die Fahrgäste vor Wind und Wetter zu schützen, sondern ein prägnanter und dem Ort und der Funktion angemessener städtischer Raum.

Hochbauliches Konzept

Die Busanlage Harburg ist nicht nur ein technischer Wetterschutz für die Bus-Nutzer, sondern eine Empfangshalle für alle ankommenden, abfahrenden und umsteigenden Fahrgäste sämtlicher Verkehrsträger: S-Bahn, Fern- und Regionalbahn, Fahrrad und Stadtrad, Busnetz und künftig Fernbusse, Taxi und nicht zu vergessen die Fußgänger. Die Busanlage ist als ein offener und durchlässiger Raum konzipiert, der die Orientierung an diesem hochvernetzten Verkehrsknoten durch gute Sichtverbindungen vereinfacht. Die Umsteigebeziehungen sind klar organisiert, da alle Verkehrsträger sichtbar werden. Die Bussteige A und B (Mittelsteig) und C bis F (Busplatte) erhalten je ein eigenes Dach. Über die weitestgehende Stützenfreiheit auf den Bussteigen und die Analogien in Konstruktion und Gestalt ist die Zusammengehörigkeit als eine Anlage ablesbar. Freimachen der Sichtachsen und Vernetzung der Verkehrsträger Entgegen der Eindeutigkeit der funktionalen Zusammenhänge spielt die Busanlage in ihrer äußeren Gestalt mit mehreren Lesarten und Ambivalenzen. Vier Z-förmige Träger rotiere um die Busplatte und formen einen Innenraum. An den vier Trägern befinden sich vier L-förmige Vordachkonstruktionen, die sich mit den Z-förmigen Trägern verschmelzen. Je nach Blickwinkel und Position im Raum wechselt die Lesart der konstruktiven Elemente. So sind die überhöhten Ecken als Teil der Träger oder auch gleichzeitig als Vordach les- und wahrnehmbar. Die von außen geblickt als Scheiben gedeuteten Elemente Träger und Vordach lesen sich von Innen geblickt als Volumen, welches über den Köpfen der Fahrgäste schwebt. Die vier überhöhten Scheiben des Daches über der Busplatte sind konstruktiv nicht notwendig und überzeichnen in ihrer Mehrdeutigkeit die Busanlage im Stadtraum.

Konstruktion und Materialität

Die Dachkonstruktionen bestehen aus Fachwerkträgern aus kalt gewalzten Profilen. Die Träger habe eine statische Höhe von ca. 5m. Die längste Spannweite beträgt ca. 40m. Zwischen den vier Trägern (Busplatte) ist ein Gitterrost aus geschweißten Stahlblechen eingespannt auf dem Dachhaut und Dachverglasung auflagern. Statisch gesehen bildet das Dach eine in sich ausgesteifte „Kiste,“ welche auf vier Wandscheiben auflagert. Das Dach des Mittelsteiges verhält sich analog, besteht jedoch nur aus zwei Trägern und lagert auf einer Reihe Doppelstützen auf. Die Vordächer, welche die Bussteige überdachen, binden in die untere Trägerlage des Fachwerks ein. Als Fassadenbekleidung wurde ein rotes zum Relief gekantetes Lochblech gewählt. Durch diese Art der Materialbehandlung bekommt die Oberfläche eine mehrdeutige Tiefenwirkung und eine taktile/stoffliche Qualität. Es entsteht eine Simultanität von geschlossen und durchlässig-schimmernd, je nach Blickwinkel des Betrachters. In den Abendstunden wird der Innenraum der Busanlage durch die in der Vertikalen angeordneten Lichtbänder in ein warmes Licht getaucht. Durch die Porosität der Oberflächen glimmen auch die äußeren Fassaden in einem warmen Licht. Die Farbigkeit des Objektes ist zum einen eine Analogie zu den umliegenden Bauten Bahnhof und der Phoenix AG als auch der geplanten Umgestaltung der S-Bahnstation. Zum anderen unterstreicht sie auch die Eigenständigkeit und die selbstbewusste Setzung der Busanlage als neues Tor nach Harburg im Stadt- und Verkehrsraum. Neben dem natürlichen Vandalismus-Schutz durch die Höhe der Dächer haben die gefalteten und gelochten Oberflächen ein weiteren pragmatischen Grund. Durch die Faltung der Oberfläche entsteht zusätzlich Stabilität in der Fassadenebene. Ebenso ist das tiefe Relief und die Lochung ein schlechter Untergrund für das Besprühen oder Bekleben.

Gründung

Die Gründungspunkte sind so gewählt, dass auf Pfählen an den unterirdischen Bauwerken vorbei gegründet werden kann (Positionen 1 und 2). Lediglich die Gründungen im Süden der Busplatte werden durch die Parkebene hindurch abgetragen (Position 3). Hier wird eine Entkoppelung der Systeme Überdachung Busanlage und des StB-Platten-Balken-Systems über der Parkebene vorgeschlagen. An sechs Punkten wird die Tragkonstruktion durch die Rippen der StB-Platten-Balken-Konstruktion hindurchgeführt und auf dem Niveau der Parkebene mittels Mikropfählen gegründet. So werden die Lager der Bestandskonstruktion nicht weiter belastet und die Lasten als auch die Horizontalkräfte der Überdachung können direkt in den Untergrund abgeleitet werden. Die bestehende StB-Platten-Balken-Konstruktion ist durch den Busverkehr einer großen dynamischen Beanspruchung in hoher Frequenz ausgesetzt. Diese Beanspruchung zeigt sich in (teils sanierten) Biegerissen mittig der Balken. Eine Entkoppelung der zwei Tragsysteme scheint daher auch vor dem Hintergrund der bereits erreichten Lebensdauer der bestehenden Konstruktion als auch der geplanten Anbindung des Bahnhofsplatzes mittels Freitreppen an die Busplatte als sinnvoll.

Beratung Tragwerksplanung: Dipl.-Ing. Christian Schön – Planung und Beratung im Bauwesen

Team: Lisa Hessling, Thiess Lübsen, Tolga Bulutcu, Gabriel Dorn

Jahr2021
VerfahrenRealisierungswettbewerb
AusloberHamburger Hochbahn AG
StandortHarburg, Hamburg